FRNKOW auf der Pitti Uomo 105
Es ist ein riesiger Schritt für eine kleine Brand, als Aussteller bei der Pitti Uomo in Florenz dabei zu sein – der weltweit wichtigsten Fachmesse für Männermode. Als Julian Daynov uns einlud, Teil seines NEUDEUTSCH Showrooms zu werden, wussten wir nicht wirklich, was uns erwartet, da wir zuvor noch nie mit unserer eigenen Marke auf einer Messe ausgestellt hatten. In diesem Artikel teilen wir unsere Insights: wie es dazu kam, unsere Erwartungen, die Vorbereitung und ob es für uns ein Erfolg war.

Pitti Uomo: Das Epizentrum der Menswear
Die Pitti Uomo (eigentlich Pitti Immagine Uomo) ist eine internationale Messe für Herrenmode und Accessoires, die zweimal jährlich – im Januar und Juni – in Florenz stattfindet. Sie ist das wichtigste Event der Branche und zieht Einkäufer, Designer, Journalisten und Influencer aus der ganzen Welt an.

Hier werden die neuesten Trends präsentiert, Kollektionen geordert und Netzwerke geknüpft. Die Messe findet in der historischen Fortezza da Basso statt, einer Festung aus dem 16. Jahrhundert direkt neben dem Stadtzentrum. Der Name leitet sich vom berühmten Palazzo Pitti ab, wo die Anfänge der Messe in den 1950ern lagen.
Unsere Vorbereitung: Nachtschichten und Strategie
Obwohl wir die Pitti vor Jahren bereits als Besucher kannten, ist die Rolle als Aussteller eine völlig andere. Wir wussten, dass wir auf Profis treffen würden, konnten aber nur ahnen, wie die Gespräche ablaufen oder wie wir überhaupt Aufmerksamkeit erregen. Also haben wir uns wochenlang vorbereitet: Szenarien durchgespielt, Antworten auf alle möglichen Fragen formuliert und unsere Kernbotschaften geschärft. Ohne den Support und das Feedback unserer Freunde wäre das kaum möglich gewesen.
Bevor es jedoch nach Italien ging, musste die Kollektion fertig werden. Als Independent Brand, die normalerweise ausschließlich über den eigenen Online-Shop verkauft, setzen wir unsere Deadlines selbst. Doch für den Kontakt mit Einkäufern mussten wir uns deren Kalender anpassen: Die Herbst/Winter 24 Kollektion musste bereits im Januar 2024 stehen. Das bedeutete Nachtschichten, Wochenenden im Studio und Weihnachten an der Nähmaschine. Aber es hat sich gelohnt – wir können es kaum erwarten, die Pieces diesen Herbst in den Stores zu sehen.
Die Messe-Struktur
In der Fortezza da Basso gibt es verschiedene Wege, sich zu präsentieren. Kleine Brands nutzen oft Hallen wie die Sala Delle Nazioni, wo die Stände durch das gestellte Mobiliar der Messe sehr einheitlich aussehen – hier zählt rein das Kleidungsstück. Im Padiglione Centrale bauen größere Brands ihre eigenen, individuellen Welten auf, während die ganz großen Player oft eigene Gebäude bespielen, die wie Flagship-Stores wirken. Kurz gesagt: Je mehr Budget, desto mehr Sichtbarkeit.

Der NEUDEUTSCH Showroom
Für die Pitti Uomo 105 kuratierte Julian Daynov einen speziellen Showroom mit jungen Brands, die für modernes deutsches Design stehen. Julian ist seit zwei Jahrzehnten in der Modebranche zu Hause – unter anderem als Buyer und Fashion Director für Saks Fifth Avenue in New York – und ein extrem gut vernetzter Consultant. Er holte uns und weitere deutsche Brands aus den Bereichen Fashion, Interior und Beauty ins Boot.

Der Name NEUDEUTSCH gefällt uns besonders gut. Ursprünglich oft negativ behaftet (als Bezeichnung für den englischen Einfluss auf die deutsche Sprache), drehte Julian die Bedeutung ins Positive: Er zeigte buchstäblich neues deutsches Design von Brands, die in den letzten Jahren gegründet wurden und die moderne deutsche Mode maßgeblich prägen. Der Showroom war wie ein Concept Store mit einer coolen Lounge-Area gestaltet – ein Ort, der zum Verweilen und für tiefe Gespräche einlud. Und der Plan ging auf: Wir sind definitiv aufgefallen!
Unser Fazit: War es erfolgreich?
Die vier Tage in Florenz waren intensiv. Wir hatten Besucher aus aller Welt am Stand, die FRNKOW, unsere Identität, unsere Prozesse und unsere Story persönlich kennenlernen wollten. Wir führten Gespräche mit langjährigen Bekannten und Menschen, die wir schon immer mal treffen wollten. Das Feedback war fast ausschließlich positiv, wir knüpften wertvolle Kontakte und gaben sogar spontane Interviews.

Besonders inspirierend war der Austausch mit den anderen Brands des NEUDEUTSCH Showrooms. Statt Konkurrenzdenken gab es echtes Teamplay. Wir verbrachten die Abende gemeinsam bei Dinner und Drinks und stellten fest: Obwohl wir Mode aus unterschiedlichen Richtungen angehen, stehen wir alle vor den gleichen Herausforderungen.

Und jetzt?
Nach vier Tagen zog der Mode-Zirkus weiter nach Mailand und Paris. Wir hingegen nahmen den Zug nach Hause. Die Zeit war extrem fordernd, aber wir sind glücklich und bereit für 2024. Die Gespräche und die Bestätigung für unsere Brand haben uns neue Energie gegeben und uns gezeigt: Wir sind auf dem richtigen Weg!


